Meine erste Partie Pandemie (2008) hat bei mir die Türen für kooperative Spiele weit aufgestoßen. Dazu kommt noch mein großes Interesse am Star Trek Universum. Da war es kein Wunder, dass ich 2011 sofort bei Star Trek: Expeditions von Reiner Knizia zugreifen musste. Auch wenn ich bei solchen Spielen sonst gerne für die größere Mitspielerkompatibilität auf eine deutsche Version warte, war mir klar, dass bei einem solchen „Nerd Spiel“ eine deutsche Ausgabe sehr unwahrscheinlich ist. Expeditions ist im „veränderten Universum“ der Neuverfilmung 2009 angesiedelt. Für alle Nicht-Trekkies (da gehöre ich auch zu) und Nicht-Fans: das erste Team (Kirk, Spock, Pille und Co.) ist als Prequel wieder da, jünger (natürlich neue Schauspieler) und am Ende des Films in einer neuen Zeitlinie. Mir gefällt der Neustart. Aber es ist ja Star Trek, da habe ich gar keine andere Wahl. :-)

da sieht man sofort, wen man spielen kann

Die Story könnte auch aus einer Folge (Klassische Serie oder The Next Generation) Star Trek stammen. Die Enterprise besucht den Planeten Nibia, der sich um die Aufnahme in die Föderation "beworben" hat. Als „der Stolz“ der Föderation im Orbit von Nibia ankommt, ist der Ausdruck heile Welt völlig fehl am Planeten Platz: ein unerwartet abweisender Präsident, Spuren eines fremden Raumschiffs im Orbit, die Gefahr eines Bürgerkriegs und ein gefährdetes Ökosystem. Da die Enterprise ja schon einmal da ist, kann sie das Ganze ja auch mal untersuchen und die Probleme zur Zufriedenheit der Föderation lösen.

aber nicht nur die Enterprise ist da, ...

... sondern auch Klingonen sind in der Nähe

Da kommen jetzt wir (1 bis 4 Mitspieler) zum Einsatz. Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Besatzungsmitglieds (Kirk, McCoy, Spock und Uhura), das jeweils durch eine Heroclix-Figur auf dem Spielbrett repräsentiert wird. Miniatur-Figuren in Spielen das hat schon etwas. Die Figur zeigt die Fähigkeitswerte des Crewmitgliedes an, die durch Schaden (Clicks) reduziert werden. Das Ziel der Spieler ist es, die drei thematisch unterschiedlichen Hauptmissionen (mit jeweils drei Teilmissionen) zu erfüllen bevor ein "unerfreuliches" Spielende eintritt. Zu den neun Location Cards für die Hauptmissionen kommen weitere sechs (von 16) zufällig ausgewählte Event Karten - müssen für eine erfolgreiche Partie normalerweise nicht gelöst werden - dazu. Diese 15 Karten werden verdeckt - Location und Event Karten haben die gleiche Rückseite (Captain's Log Cards)- gemischt und in die 15 Planetengebiete gelegt. Eine gute Crew muss also nicht nur die Hauptmissionen bestehen, sondern sie muss sie erst einmal finden.

zum Start sind noch alle Karten in den 15 Planetengebieten verdeckt

gleiche Rückseite: links die Nebenmissionen, rechts die Hauptaufgaben

wird eine Location Karte aufgedeckt, wird sie durch eine Teilmission der entsprechenden Hauptaufgabe ersetzt

Reihum sind die Spieler am Zug, der vom Aufbau her immer gleich abläuft. Als erstes wird eine Stardate Karte umgedreht. Abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad müssen die Spieler bis zu drei Ereignisse "abarbeiten". Mögliche Ereignisse sind:

  • Die Zeit vergeht - bei 30 Zeiteinheiten ist das Spiel verloren.
  • Der klingonische Battle Cruiser greift an - ist die Enterprise zerstört: Genau, ein weiteres bescheidenes Spielende.
  • Und/oder die Mannschaft erleidet ggf. Schaden und verliert dann Fähigkeitspunkte.

in der höchsten Schwierigkeitsstufe werden alle drei Kastenfarben abgearbeitet

Auf der Stardate Karte ist auch angegeben, wie viele Aktionen (zwei bis vier) der aktive Spieler in seinem Zug zur Verfügung hat. Die Aktionen können abhängig von ihrer Art auf der Enterprise und/oder in einem der 15 Planetengebiete durchgeführt werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig: z. B. das Klingonenschiff angreifen, auf den Planeten beamen (verdeckte Captain's Log Karte wird aufgedeckt), sich von einem Planetengebiet in ein benachbartes Gebiet bewegen (ggf Captain's Log Karte aufdecken) oder die jeweils charakterspezifische Spezialaktion durchführen. Die wichtigste Aktionsmöglichkeit ist jedoch die "ich möchte gerne lösen" Aktion (sich einer Herausforderung stellen).

die Aktionsmöglichkeiten sind auch auf den vorbildlichen beidseitigen Übersichtskarten aufgeführt

Egal, ob es sich um eine der Haupt- oder eine Nebenmission handelt, der Ablauf ist immer gleich. Die Herausforderung kommt aus einem der drei Bereiche (Command, Science oder Operations), indem dann auch die „Prüfung“ stattfindet. Jeder Charakter hat für jeden der drei Bereiche einen bestimmten Wert, der an seiner Figur angezeigt wird. Zusätzlich werden zwei leicht variierte Sechsseiter gewürfelt und das Ergebnis dazu addiert. Einige Herausforderungen benötigen sehr hohe Werte. Glücklicherweise können in weiteren Aktionsmöglichkeiten gesammelte einmalige Effektkarten, Crewmitglieder und Token zur Verstärkung eingesetzt werden, um die Prüfung überhaupt zu bestehen und/oder ein besseres Ergebnis zu erreichen.

nicht nur diese Plättchen können zur Unterstützung eingesetzt werden, ...

... sondern auch die verschiedenen Energize Karten

McCoy würde gerne lösen :-)

Gerade bei den Hauptaufgaben ist es wichtig, wie gut das Ergebnis war, da abhängig davon die nächste Teilaufgabe (1 => 2a oder 2b, 2a => 3a oder 3b, 2b => 3c oder 3d) ausgewählt wird und die Punktevergabe für diesen Bereich (Politik, Rebellen und Ökologie) erfolgt. Nur wenn man die Teilaufgaben immer im höchsten Bereich abschließt, also dem Pfad 1, 2a und 3a folgt, kann diese Hauptaufgabe zur vollsten Zufriedenheit der Föderation abgeschlossen werden. Haben die Spieler die drei Hauptaufgaben mit jeweils drei Teilaufgaben gelöst, haben die Spieler die Partie gewonnen. Jetzt wird auf dem Ergebnis Brett die jeweilige Punktezahl der drei Bereiche einem Ereignis zugeordnet - z.B. der Planet wird Mitglied der Föderation, ein globaler Bürgerkrieg, die Gefahr ist abgewendet und das Ökosystem ist intakt. Die Gesamtsumme der drei Werte gibt dann die Qualität unseres Einsatzes an (Idealfall: The Starfleet Medal of honor wird verliehen).

dieses Ergebnis auf der höchsten Schwierigkeitsstufe: Respekt

Insgesamt gibt es vier mögliche Pfade pro Hauptaufgabe. Aber jede Partie fängt immer mit den gleichen drei Teilaufgaben an. Die Abwechslung ist daher für mich der größte Kritikpunkt von Star Trek Expeditions. Bei den optionalen Nebenmissionen (Event Cards) ist die Abwechslung gegeben, da immerhin 16 Karten für die Auswahl von 6 zur Verfügung stehen. Da aber gerade die Hauptmissionen immer gespielt werden, hätte es hier für meinen Geschmack eine wesentlich größere Abwechslung an Hauptaufgaben geben müssen. Drei pro Bereich wäre da schon einmal ein Anfang gewesen. Natürlich bringen auch die drei Schwierigkeitsgrade eine gewisse Veränderung in das Spiel, trotzdem reicht mir das nicht für eine gute Note für den Wiederspielreiz, wenn immer dieselbe Story gespielt wird.

manche Nebenmissionen sind sehr "anhänglich" :-)

Wenn es mir nicht gefallen würde, wäre es mir ja egal. Aber Reiner Knizia hat mit Star Trek Expeditions ein einfach zugängliches kooperatives Spiel abgeliefert, dass mich zusammen mit dem Thema in der ersten Partie sofort voll überzeugt hat. OK, diese Franchiselizenz erschwert aber auch eine Ablehnung meinerseits. Der Einstieg (einfachste Schwierigkeitsstufe) fällt so leicht, dass auch ein Nichtspieler mit Star Trek Hintergrund nach einer Erklärung von uns viel Spass in seiner ersten Partie hatte. Erst die zweite von drei Schwierigkeitsstufen stellt eine wirkliche Herausforderung dar. Das ist aber auch für ein Spiel, das auch von spielunerfahrenen (Star Trek Fans) gespielt werden kann, absolut OK.

eine 3er Partie kurz nach dem Start

mit normalen Schulenglisch ist der Einstieg kein Problem

Dem relativ geringen Komplexitätsgrad ist auch geschuldet, dass die strategischen/taktischen Möglichkeiten in einem überschaubaren Rahmen zur Verfügung stehen. Die Aufgaben gut verteilen, die Crewmitglieder und die Sonderfähigkeiten sinnvoll einsetzen und dabei den Zustand der Enterprise und die Zeit nicht aus den Augen verlieren. Die Herausforderung ist nicht zu groß, hat mir aber in meinen Partien mit zügiger Spielweise (ca. 60 Minuten) absolut ausgereicht. Mir reicht aber auch ein Klingonen Schiff im Orbit als Motivation. Das Spiel gewinnt jetzt nicht unbedingt einen Innovationspreis, aber es funktioniert und gefällt mir richtig gut. Mehr verlange ich von einem Lizenzspiel mit einem für mich Top Thema auch nicht.

wenn man nicht die unterschiedlichen Stärken der Crew nutzt, wird es schwer

Für den damaligen Preis von 50 Euro habe ich eine mit Chinaprodukten gefüllte Spieleschachtel erhalten inkl. typischem Chemiegeruch. Ansonsten habe ich am Material nichts auszusetzen. Zwar ist die enthaltene Pappe nicht besonders dick, aber von durchschnittlicher Qualität. Ähnlich verhält es sich bei der Qualität der Karten. Die rein englische Anleitung ist gut zu verstehen und hat bei uns keine Fragezeichen über unseren Köpfen produziert. Natürlich hat auch die Lizenz sicherlich Geld gekostet, aber der größte Preisfaktor waren sicherlich die sechs detaillierten Heroclix Figuren (4x Mannschaft, 2x Raumschiffe). Diese gefallen mir ausgesprochen gut und es macht Spaß sie im Spiel zu benutzen. Lizenzfiguren in einem Spiel, da hat man mich schon zu 50% überzeugt. :-)

da freut sich der kleine "Nerd" :-)

detailierte Figuren inklusive "Spitzohren"

Auch wenn die Erweiterung leider keine neuen Hauptmissionen mitbringt, musste ich natürlich zeitnah zuschlagen. In der Mini-Packung zum großen Preis – wenn ich mich richtig erinnere 22 Euro – sind nur drei neue Mannschaftsmitglieder (Heroclix Figuren von Chekov, Scott und Sulu) und die dazugehörigen Charakter „Platten“ mit der jeweiligen Sonderfähigkeit enthalten. Es stehen durch die Erweiterung insgesamt 8 Charaktere zur Auswahl, deshalb ist Star Trek Expeditions nun auch zu fünft spielbar. Darüber hinaus können die Spieler jetzt immer wieder eine andere Crew mit anderen Spezialfähigkeiten auf den Planeten loslassen. Das erhöht den Wiederspielreiz minimal.

noch sieht die Erweiterungsbox groß aus

jetzt nicht mehr :-)

mehr ist nicht in der Schachtel

Bei der Bewertung dieses Spiels schwanke ich zwischen sechs und sieben Punkte. Dieses Wizkids Spiel gefällt mir während einer Partie gut und hat mich bisher auch nie enttäuscht. Aber der fehlende Wiederspielreiz ist schon ein nicht zu unterschätzendes Problem. Ich habe es jedoch für mich ein wenig entschärft, indem ich es 1-2 Mal spiele und dann für ein halbes Jahr liegen lasse. Da man in meinem Alter ja anfängt schon das eine oder andere zu vergessen, kommt mir das bei diesem Spiel entgegen und die Story ist fast wieder neu. Das ist zwar unfair, da Spiele ohne eine solche mich packende Lizenz schon längst in unserem Spieleschrank verstaubt wären. Aber Hey, das ist Star Trek! :-)

Würfelglück und auch -pech sollte man mögen

Da aus diesem Grund der problematische Wiederspielreiz bei mir nicht so ins Gewicht fällt, gebe ich Star Trek Expeditions doch eine knappe 7 (von 10) (zum Bewertungschema). Ohne die Lizenz würde ich sicherlich mindestens einen Punkt abziehen. Deshalb geht meine Empfehlung, sich dieses kooperative Star Trek Spiel anzuschauen, auch nur an Star Trek Interessierte bzw. Fans dieses Franchise. Für alle anderen gibt es Alternativen, die ohne Fanbrille wahrscheinlich besser ankommen werden und einen höheren Wiederspielreiz bieten.

7 von 10 Punkten, mit mehr Abwechslung wäre vielleicht auch eine 8 möglich gewesen

 

 

Titel: Star Trek: Expeditions

Autor: Reiner Knizia

Illustrator: Chris Raimo, Ed Repka

Verlag: Wizkids Games (englisch)

Erscheinungsjahr: 2011

BGG-Durchschnittsnote: 6,54 (Stand 11.01.2015)

Spieleranzahl: 1 bis 4 (5 mit Erweiterung) - nicht als Solopartie getestet

Spieldauer: ca. 60 Minuten

Anzahl Partien bis zur Rezension: 8

Rezensionsexemplar: zum Normalpreis gekauft

   
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