Bis vor ein paar Jahren hieß bei mir spielen mit Würfeln, Papier und Stift immer noch Kniffel. Aber wie sich in den letzten Jahren die Spiele weiter entwickelt haben, wundert es nicht, dass selbst mit diesem minimalistischen Material neue Spielideen entstehen. Bei Doodle City von Svensson und Østby versuchen sich bis zu sechs Spieler am Straßenbau in der namensgebenden fiktiven Stadt, die aus einem 5x5 Felder großen Spielplan besteht. Jeder Spieler erhält ein Blatt mit einem solchen Plan und sucht sich im Spielraum einen funktionierenden Stift.

nettes aussagekräftiges Cover

Jede Partie beginnt mit dem Auswürfeln der Straßen in den fünf grünen Häuserfeldern. Abhängig vom Würfelwurf markieren jetzt alle Spieler im gleichen Häuserfeld die der Zahl entsprechende Straße, dann wird für das nächste Feld ausgewürfelt. Nachdem so alle fünf Häuserfelder auf den Spielplänen definiert wurden, kann das eigentliche Spiel beginnen. Der Startspieler würfelt einen blauen Würfel und immer einen weißen Würfel mehr als Mitspieler teilnehmen. Dann darf er sich als erster einen weißen Würfel aussuchen.

sechs verschiedene Möglichkeiten für den Straßenbau

Der blaue Würfel gibt für alle verbindlich die Spalte an. Bei einer sechs dürfen alle Spieler die Spalte frei wählen. Mit dem weißen Würfel legt der Spieler über die Zeile fest, in welchem Feld er aktiv werden muss. Bereits von Mitspielern zuvor gewählte weiße Würfel stehen nicht mehr zur Auswahl. Hat man mit der Wahl des weißen Würfels das Feld festgelegt, muss man dort entweder eine Straße eintragen (Hotel-, Laden- oder Taxifeld) oder ein noch freies Haus markieren (Häuserfeld). Auf jedem Feld darf nur eine Straße eingezeichnet werden. Dazu verbindet der Spieler mit einem Strich zwei Seiten des ausgewählten Feldes. Dadurch kann entweder eine horizontale/vertikale Linie oder eine Kurve entstehen.

es gibt nur vier verschiedene Felder auf dem 5x5er Plan

Sollte auf allen durch die aktuellen Würfel vorgegebenen Feldern bereits eine Straße existieren bzw. alle Häuser markiert sein, darf der Spieler keinen weißen Würfel auswählen und er hat ein Problem. J In diesem Fall geht der Spieler leer aus und muss zur Strafe zusätzlich einen Baum ankreuzen. Nennt man das Umweltschutz? Wählt ein Spieler (egal ob freiwillig oder nicht) einen weißen Würfel mit einer sechs, hat er in der vorgegebenen Spalte freie Auswahl. Aber auch in diesem Fall muss er einen Baum ankreuzen.

hier lief es nicht wirklich, aber immerhin alle Bäume abgeholzt :-)

Da man auch bei diesem Spiel einen Gewinner sucht … Hotel- und Ladenfelder punkten sofort, wenn auf ihnen eine Straße eingezeichnet wird. Bei den erst genannten erhält der Spieler sofort pro angeschlossener Strecke an dieses Hotel einen Siegpunkt. Bei den Läden gibt es pro angeschlossenem Haus (auf den grünen Häuserfeldern) einen Punkt. Wer als erster 3, 5, 7 und 10 Ladenpunkte erreicht, erhält noch einen Bonus in selber Höhe.

dieses Spiel endete mit der 10er Ladenwertung und vielen Punkten

Das Spiel endet, wenn ein Spieler die Höchstwertung bei den Hotels oder Läden erreicht, oder wenn ein Spieler alle Bäume „abgeholzt“ hat. Neben den bisher gesammelten Punkten gibt jedes Taxi, das mit mindestens einem anderen Taxi verbunden ist, vier Punkte. Als letztes bekommt der größte Holzfäller vier Minuspunkte und der größte Baumfreund vier Pluspunkte.

mehr Regel ist nicht

Nach dem Öffnen der Spieleschachtel stellt man erst einmal fest, dass die benötigten Stifte nicht in der Schachtel enthalten sind. Das ist jedoch kein Problem, da eigentlich immer Stifte verfügbar sind. Außerdem hilft das, den Preis für Doodle City möglichst gering zu halten. Da freut sich der Geldbeutel. Mit ca. 100 „Spielblättern“ reicht der beigelegte Block für einige Partien, so dass man sich nicht sofort Gedanken um den Nachschub machen muss. Die Covergrafik finde ich sehr einladend, dagegen ist die eigentliche Spielgrafik eher schlicht und zweckorientiert.

das reicht für einige Partien

Doodle City ist ein schnell erklärtes kleines Würfelspiel, das sich mit einer Spielzeit von 20 bis 30 Minuten als Starter/Absacker und auch für unerfahrene Spieler gut eignet. Der Glücksanteil ist für ein Würfelspiel typisch, deshalb muss man sich dem Würfelwurf unterwerfen. Trotzdem steht man immer wieder vor (taktischen/strategischen) Entscheidungen, die das Ergebnis der Partie entscheidend beeinflussen. Nutze ich oft eine weiße sechs um besonders wichtige Felder zu verbinden und nehme das Risiko der meisten angekreuzten Bäume auf mich, konzentriere ich mich mehr auf das Verbinden der Taxis oder bemühe ich mich um besonders lange Strecken für die Hotelwertung.

ich spiele nicht auf Punkte nur auf Schönheit :-)

Neben der Interaktion, den anderen Spielern ggf. Würfel wegzunehmen, und dem Wettlauf um die wenigsten gefällten Bäume gibt es auch noch den Wettlauf um die Ladenboni. Gerade für den Wettlauf um die kleinen Boni (3 und 5 Punkte) ist es von Vorteil, die Pläne der Mitspieler im Auge zu behalten. Ansonsten spielt man nur für sich, außer man versucht einen Konkurrenten zu kopieren. J Natürlich kann man Doodle City auch so wie das Reh spielen. Wenn interessieren schon Punkte? J Ich versuche immer alle Felder des Spielplans miteinander zu verbinden. Das klappt eigentlich nie und man spielt auch nur selten um den Sieg mit.

der Spieler konnte sich den 3er und 5er Bonus sichern

Da man in jedem Feld (Ausnahme Häuserfeld) die Straße auf sechs verschiedene Arten eintragen kann und es viele verschiedene „Ausgangsszenarios“ gibt, spielt sich jede Partie ein wenig anders. Daran sind aber auch die Würfelergebnisse nicht ganz unschuldig. In der einen Partie würfelt man viele blaue sechsen und/oder schön verteilte Würfelergebnisse, da können dann auch längere Straßen entstehen und die Partie kann mit einer Höchstwertung beendet werden. Die nächste Partie wird dagegen durch penetrantes „schlechtes“ Würfeln dominiert, z.B. immer wieder dieselbe blaue Würfelzahl ungleich sechs. Solche Partien werden ab der Mitte von meinen Wünschen an den Würfelgott begleitet und enden i.d.R. durch den Wettlauf beim Bäume fällen.

hier konnte auch der Würfelgott nicht helfen

Auch wenn sich Doodle City in jeder Besetzung gut spielen lässt, bevorzuge ich 3er bis 5er Partien. Zu sechst dauert es mir doch zu lange für das Gebotene und zu zweit hat man selbst als Startspieler immer nur maximal drei Würfel zur Auswahl. Die ersten 7-8 Partien haben mir richtig gut gefallen, aber in den letzten 3-4 Partien bemerkte ich erste Anzeichen für ein beginnendes Sättigungsgefühl. Nicht falsch verstehen, ich werde auch weiterhin zu einer Partie nicht nein sagen. Da dieses kleine Würfelspiel doch bei einigen Spielern in meiner Umgebung richtig gut angekommen ist, werden weitere Partien auch sicher folgen.

eine 3er Partie, der letzte Spieler hat die Wahl zwischen der drei und der sechs

Nach den ersten Partien hätte ich sieben Punkte vergeben. Nach den letzten Partien sieht das Ganze ein wenig anders aus und ich sitze punktetechnisch zwischen den Stühlen. Um den Faden vom Beginn der Rezension wieder aufzunehmen, Kniffel hat gegen dieses „Straßenspiel“ keine Chance, was aber auch nicht so schwer ist. J Es macht Spaß, die Möglichkeiten zu entdecken und ein paar verschiedene Straßenverläufe zu testen. Deshalb kann ich jedem, der ein schnelles, interessantes Würfelspiel mit kurzer Regel sucht, nur empfehlen, einen Blick zu riskieren. Von mir erhält Doodle City sechs Punkte mit einem starken Nachgeschmack von sieben, da es den nächsten Punkt nur ganz knapp verfehlt hat.

6/10 Punkte: der siebte Würfel hat sich gerade noch so aus dem Staub gemacht

 

Titel: Doodle City

Autor: Eilif Svensson und Kristian Amundsen Østby

Illustrator: Gjermund Bohne

Verlag: Aporta Games (deutsch)

Erscheinungsjahr: 2014

Spieleranzahl: 1 bis 6 (nicht als Solopartie getestet)

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Anzahl Partien bis zur Rezension: 11

Rezensionsexemplar: kostenlos vom Verlag erhalten

 

 

   
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