Der englische Originaltitel dieser Essenneuheit 2014 von Ted Alspach lautet: Castles of Mad King Ludwig. Keine Ahnung warum in der deutschen Übersetzung das Mad (verrückt, wahnsinnig) fehlt, aber wenn ich mir so die Schlösser anschaue, die ich in meinen Partien gebaut habe, ist dieses Wort die perfekte Beschreibung für meine Entwürfe. J Ein Außenstehender könnte beim Verfolgen meiner Partien deshalb zum falschen Schluss kommen, dass genau das auch das Ziel des Spiels ist. Aber nein, auch hier geht es Schluss endlich dann doch wieder „nur“ um Siegpunkte.

ein idyllisches Cover

Die Punkte kann man während des Spiels für den Bau der verschiedenen Räume erhalten. Es gibt im Spiel acht verschiedene Raumarten und zehn verschieden Raumgrößen. Jedes Raumplättchen gibt aufgedruckte, feststehende Sofortpunkte, die unabhängig vom restlichen eigenen Schloss an den Bauherrn vergeben werden. Darüber hinaus ermöglichen die meisten Plättchen noch weitere Siegpunkte, diese sind jedoch abhängig von den verbundenen Räumen (Verbindungspunkte), von den angrenzenden Räumen (gibt es nur bei Freizeiträumen, dafür aber auch nur Minuspunkte J ) oder der Anzahl von bestimmten Räumen im gesamten Schloss (Kellerräume). Auch bereits liegende Räume können so durch den gerade gelegten Raum erneut punkten.

die acht Raumarten und die zehn Raumgrößen

So ein König hat natürlich auch spezielle Wünsche, die er für jede Partie neu auf zwei bis vier Wunschplättchen - abhängig von der Spielerzahl - drucken lässt. OK, frisch gedruckt werden diese Plättchen nicht, dafür sind aber auch 24 verschiedene in jeder Schachtel enthalten. Mal sollen es zum Schluss möglichst viele Gärten, viele runde Räume oder großer Keller sein, das andere Mal sollen die Schlösser möglichst viele Ausgänge nach draußen aufweisen oder es wird das meiste Geld am Spielende belohnt.

der König hat viele Wünsche aber maximal vier gleichzeitig

bei diesen Wünschen kommt es auf die m² an, die kleine Zahl rechts oben in den Räumen

Außerdem bekommen die Spieler zu Beginn bereits drei persönliche Bonuskarten, von denen sie zwei behalten dürfen. Dies sind Vorgaben des Königs nur für den jeweiligen Spieler. Diese Karten bringen zum Spielende z.B. Punkte für bestimmte, verbaute Raumgrößen oder Raumarten, für jeden Gang oder für jeden fertiggestellten Raum.

10 der 28 enthaltenen Bonuskarten

Apropos Fertigstellung. Die Bauregeln sind sehr übersichtlich. Beim Anlegen des neuen Raumes an die bisherige „Baustelle“ muss mindestens eine Tür mit einer bereits vorhandenen Tür übereinstimmen. Die anderen Türen dürfen durch Mauern zugebaut werden. Die Räume dürfen nicht überlappen und das Schloss muss immer mindestens einen Ausgang nach draußen haben. Kellerräume dürfen nur in den „Kellerbereich“ gelegt werden und dafür benötigt man ein Stiegenhaus (Kellertreppe). Gärten dürfen an der Zaunseite nicht zugebaut werden, dass mag der Ludwig nicht. Das war es aber auch schon.

zugebaute Türen, manchmal nicht zu verhindern aber selten zu empfehlen

Ich habe zwar König Ludwig nicht kennengelernt, aber ich bin mir sicher, auch er mochte es lieber, wenn man nicht durch eine Tür direkt vor eine Mauer läuft. Aus diesem Grund hat der König Ted Alspach beschlossen, fertiggestellte Räume – jede Tür dieses Raumes ist mit einer Tür eines anderen Raumes verbunden – besonders zu belohnen. So gibt z.B. ein Freizeitraum weitere 5 Punkte, ein Speisezimmer einen Extrazug und ein Wirtschaftsraum eine weitere Bonuskarte. „Schön“ bauen lohnt sich also.

Der runde Garten wird durch den rechteckigen Garten fertiggestellt => Belohnung: 10.000 Mark

Aber wie kommen denn die Spieler an die Räume? Hier hat sich der Autor für einen sehr interessanten Mechanismus entschieden. Vor der ersten Runde zieht der Baumeister der aktuellen Runde abhängig von der Spieleranzahl bis zu sieben Raumkarten und zieht die jeweils abgebildete Raumgröße vom entsprechenden Raumstapel. Danach darf er die verschiedenen Räume den feststehenden unterschiedlichen Preisen (im Spiel zu viert von 1.000 bis 15.000 Mark) zuordnen.

die Raumkarten bestimmen welche Räume ins Spiel kommen

eine 4er Partie: bereits ein Raum in dieser Runde wurde gekauft

Beginnend mit dem Spieler rechts vom Baumeister hat reihum jeder Spieler die Möglichkeit, entweder einen Raum zum geforderten Preis oder einen Gang/Kellergang/Stiegenhaus zum Festpreis von 3000 Mark zu kaufen. Dieses Geld erhält der Baumeister und der Spieler baut das Gekaufte sofort in sein Schloss ein. Als dritte Möglichkeit kann sich ein Spieler einfach 5.000 Mark aus der Bank nehmen. Als letzter ist der Baumeister am Zug, aber er muss die Kosten seines Erwerbs an die Bank zahlen.

die Baumeisterfigur bringt im Idealfall viel Geld

Danach wird der nächste Spieler zum Baumeister. Auf die nicht gekauften Räume werden Puerto Rico like 1.000 Mark als Anreiz gelegt und der Baumeister zieht wieder auf die volle Anzahl Räume nach. Der neue Baumeister darf alle Räume komplett umsortieren. Der Baumeisterwechsel wird so lange durchgeführt bis die Raumkarten nicht mehr zum Auffüllen ausreichen, dann beginnt die letzte Runde. Neben den oben aufgezählten Möglichkeiten zu punkten, bekommt man für verbaute Räume von Raumarten deren Stapel zum Spielende komplett aufgebraucht wurden auch Punkte. Geld ist immer gut, also gibt es auch dafür noch ein paar Punkte. Dann ist aber Schluss und der Punktbeste wird vom König von den anderen Spielern zum Sieger gekürt.

auch bei "Die Schlösser des König Ludwig" gewinnt der mit den meisten Punkten :-)

Als ich mir zum ersten Mal das aufgebaute „Spielbrett“ so anschaute, sprach mich dieses grau in grau nicht wirklich an. Ok, Schlösser sind auch im echten Leben nicht gerade für ihre Farbexplosionen bekannt und ist da nicht sogar ein wenig orange auf dem linken Raumspielplan zu sehen? Als ich dann die ersten Räume sah, verflog die Skepsis, aber ich bin auch kein Grafik-Enthusiast. J Die Spielpläne und die sonstigen Pappteile sind von durchschnittlicher Qualität. Richtig gut gefallen mir die großen beidseitigen Spielübersichten aus Pappe für jeden Spieler. Da könnte sich der eine oder andere Verlag ein Beispiel daran nehmen.

Schlösser sind (fast) immer grau

Vorder- und Rückseite der Spielübersicht

Die Schlösser des König Ludwig ist kein Strategie Schwergewicht, trotzdem muss man permanent große und kleine Entscheidungen treffen. Gehe ich gezielt auf die Wünsche des Königs ein, konzentriere ich mich auf meine Bonuskarten und besorge mir direkt noch 2-3 weitere Exemplare oder bemühe ich mich um besonders viele Verbindungspunkte. Auch wenn in seltenen Fällen Extremstrategien zum Erfolg führen können, geht es hier vor allem auch um taktisches Geschick. Gute Gelegenheiten identifizieren und möglichst günstig einkaufen. Baue ich als erster einen Treppenabgang, um als einziger einen Kellerraum kaufen zu können, etc..

ein extremer Start

der Grund für diesen Start

Die eingesetzten Mechanismen sind nicht alle neu, aber gerade mit dem Einkaufsmechanismus hat Ted Alspach ein glückliches Händchen bewiesen. Das Konkurrieren um die Wünsche des Königs und die Funktion des Baumeisters sind die Momente, wo es sinnvoll ist, seine Mitspieler im Auge zu behalten. Bietet man die interessanten Räume zu günstig an, machen die anderen Spieler Schnäppchen und nur die uninteressanteren Räume bleiben für einen selber übrig. Sind die interessanten Räume zu teuer, nimmt man bei der Haupteinnahmequelle zu wenig ein und muss eine Runde lang sehr sparsam sein. Dieses hin und her gefällt mir sehr gut und passt perfekt zum Rest des Spiels. Da man aber nur bedingt das Interesse der Mitspieler antizipieren kann, sollte man die Überlegungen auch nicht übertreiben und irgendwann "loslassen".

auch beim Schlossbau dreht sich alles um die Finanzierung

Dadurch, dass selbst in voller Besetzung nicht alle Räume und Bonuskarten ins Spiel kommen und immer nur maximal 4 der 24 möglichen Wünsche des Königs relevant sind, spielt sich jede Partie ein wenig anders. Werden viele Schlafzimmer fertiggestellt, kommen mehr Räume (auch gezielter) ins Spiel und die Chance steigt, dass Raumstapel aufgebraucht werden (Sonderpunkte für diese Raumgröße). In der einen Partie kann ich mich einfach von Angebot zu Angebot hangeln, in der nächsten Partie habe ich eine gute Bonuskarten-Königswünsche-Kombination, so dass ich manche Räume um jeden Preis kaufen sollte und dann auch mal in den 15.000 Mark Apfel beißen muss.

 da lohnen sich runde Freizeiträume

Aber egal wie der Spielverlauf sich auch entwickelt, bisher hat mir noch jede Partie großen Spaß bereitet. Einen nicht geringen Anteil daran hat der Legespielaspekt beim Bau des eigenen Schlosses. Zum einen mag ich Legespiele und zum anderen bekommt man so wirklich ein wenig das Gefühl an einem Schloss zu bauen. Im Gegensatz zu vielen anderen Titeln nimmt man hier das Thema wirklich war. Man schaut immer wieder auf das eigene „Gebilde“ und die Entwürfe der Mitspieler. Mich stört es bei einem guten Spiel nicht, wenn das Thema austauschbar wirkt. aber umso mehr Spiele ich ausprobiere, umso mehr freue ich mich über Spiele deren Themen mich „mitnehmen“.

hier weitere Schloss Beispiele ...

Die Schlösser des König Ludwig habe ich in jeder Besetzung gespielt. Zwar gefielen mir auch meine 2er Partien gut, aber für meinen Geschmack kommt die gesamte Qualität dieses Titels erst zu dritt oder viert zur Geltung. Pro Mitspieler kommen 11 (der 50) Baukarten in den Nachziehstapel. Zwar erwerben die Spieler bei jeder Besetzung ungefähr gleich viele Räume, aber die Anzahl der zur Auswahl stehenden Räume ist zu viert im Schnitt doppelt so groß wie in einer Partie mit Minimalbesetzung. So kann es in einer 2er Partie passieren, dass manche Raumarten und insbesondere Raumgrößen gar nicht ins Spiel kommen. Blöd wenn man da auf die falschen Bonuskarten „setzt“.

rund ist beautiful

Diese Mischung aus relativ kurzer Regel, interessantem Thema, das mich anspricht, und gut auf einander abgestimmten Mechanismen hat nicht nur mich überzeugt. Das von uns mitgebrachte Exemplar zum viertägigen Spieletreff „Neu-Bilstein“ konnte man immer wieder auf den Tischen sehen und es kam laut Auskunft der Mitspieler bei fast allen gut bis sehr gut an. Für mich persönlich ist „Die Schlösser des König Ludwig“ ein absoluter Anspieltipp und ein erster Kandidat für das Kennerspiel 2015. Wenn man es flott spielt (bis zu 90 Minuten), macht es mir einfach nur großen Spaß. Da muss ich ohne zu zögern 8 von 10 Punkte vergeben.

Klasse Spiel: 8 von 10 Punkte

 

Titel: Die Schlösser des König LudwigAutor: Ted Alspach

Illustrator: Keith Curtis, Ollin Timm

Verlag: Bézier Games (deutsch)

Erscheinungsjahr: 2014

Spieleranzahl: 1 bis 4 (nicht als Solopartie getestet)

Spieldauer: 90 Minuten

Anzahl Partien bis zur Rezension: 8

   
Copyright © 2016 Spielen geht immer. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.